Leitbild

LEITBILDGEDANKEN

Wie ich über Menschen denke, so wirke ich auf mein Gegenüber

In pädagogischen Berufen ist die Klärung des Menschenbildes eine wichtige Voraussetzung für eine gute Arbeit.

„Ob wir über Menschen forschen, ob wir sie unterrichten, erziehen, beraten oder diagnostizieren, bei keiner dieser oder ähnlicher Tätigkeiten arbeiten wir ohne grundsätzliche Vorstellungen vom Menschen. Dabei haben wir implizite oder explizite Annahmen und Sichtweisen über dessen grundsätzliche Fähigkeiten.“ (vgl. Mutzeck, Förderplanung 2003)

Auch wir sind uns dessen bewusst und möchten einige uns wichtige Menschenbildannahmen, die unsere Arbeit leiten, aufzeigen. Das ist uns deshalb ein Anliegen, weil wir spüren, wie sehr unser Handeln davon geprägt ist. Gerade wenn es, wie in unserem Arbeitsfeld, darum geht, Veränderungen gemeinsam zu bewältigen, sind wir davon abhängig, ob die Menschen, die sich uns anvertrauen, sich bei uns auch aufgehoben und wertgeschätzt fühlen.

 

Wir glauben, dass folgende Menschenbildannahmen dabei hilfreich sein können:

Reflexivität und Rationalität
Darunter verstehen wir die Fähigkeit des Menschen zu denken, zu überlegen und zu reflektieren; der Mensch handelt aus seiner Sicht sinnvoll.

Emotionalität
Der Mensch ist in seinem Handeln nicht nur Denkender, sondern er muss auch mit seiner Emotionalität ernst genommen werden (Selbstbetroffenheit, Erleben von Lust und Unlust, Freude, Ärger, Angst; manifestiert sich in Erwartungen, Überzeugungen, Wertungen, Haltungen).

Verbalisierungs- und Kommunikationsfähigkeit
Als reflexives Subjekt verbalisiert der Mensch Ziele, Entscheidungen, und Stimmungen. Er kann sich über das Verstehen seines sprachlich geäußertes Weltbildes mit anderen verständigen.

Handlungskompetenz
Der Mensch reagiert nicht nur auf seine Umwelt, er interpretiert seine Umwelt und agiert zielorientiert und (zumindest aus seiner Sicht) sinnhaft.

Autonomie
Der Mensch ist in seinen Handlungen potenziell autonom (was nicht bedeutet, dass er immer vernünftig und bewusst handelt). Diese einzelnen Fähigkeiten sind als Ganzes zu sehen und miteinander verknüpft – der Mensch ist ein ganzheitliches Wesen mit individuellen potenziellen Fähigkeiten und Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Sie gelten prinzipiell für alle Menschen, trotz individuell unterschiedlicher Entwicklungen.

Wenn wir als LehrerInnen dieses Menschenbild ernst nehmen, bedeutet dies, dass wir Kindern, Eltern, KollegInnen mit Respekt und Wertschätzung gegenüber treten, auch wenn wir nicht immer verstehen, was die andere Person mit ihrem Handeln meint. Das heißt allerdings nicht, dass wir damit jedes Handeln gutheißen und aushalten müssen.

Unser Bemühen gilt dem Verstehen und dem Angebot von Handlungsalternativen. Gleichzeitig nehmen wir unsere eigenen Gedanken und Gefühle ernst und stellen sie in Bezug zu unserem Gegenüber – als etwas Anderes, nicht als etwas Besseres.  Damit hoffen wir zu einem neuen Verständnis der Schwierigkeiten und Probleme zu kommen und eventuell auch neue Handlungsmuster zu entwickeln. D. h. nicht, der Beliebigkeit Tür und Tor zu öffnen, sondern zu akzeptieren, dass es nicht Menschen gibt, die wissen, wo es lang geht, und andere, denen gesagt werden muss, wo es lang geht. Wir passen auch nicht in eine Welt, die aus  „Rettern“ und „Geretteten“ besteht. Vielmehr sehen wir die Chance darin, gemeinsam die Unterschiede wahrzunehmen und zu wählen, was jetzt in unser Leben passt. Dazu gehören auch eigene Grenzen kennen, Grenzen zu setzen, loszulassen, Verantwortung zu übernehmen und zu übergeben.